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BAYERISCHER BIODIVERSTÄTSPREIS "NaturVielfaltBayern" 2026: "Mehr Biodiversität durch naturnahe Hecken und Säume"

Verleihung des Bayerischen Biodiversitätspreises 2026

Der Bayerische Biodiversitätspreis 2026 wurde am 16.07.2026 durch Staatsminister Thorsten Glauber im Rosengarten der Neuen Residenz in Bamberg verliehen.

Was wurde prämiert?

Unter dem Motto „Mehr Biodiversität durch naturnahe Hecken und Säume“ lobte der Bayerische Naturschutzfonds den Bayerischen Biodiversitätspreis 2026 aus. Mit dem Preis soll das Bewusstsein für den Erhalt der Artenvielfalt und der Lebensräume als Einzigartiger Schatz gestärkt werden und das Engagement für dieses Anliegen anerkannt werden.

Folgende Institutionen und Personen wurden geehrt:

1. Preis bzw. Hauptpreis (10.000 €) und Skulptur: Familie Haake

Projekt: „Gepflanzt, als anderswo gerodet wurde“

Die meisten Fluren in Deutschland haben seit 1945 fast vollständig ihre kleinteiligen Strukturen wie Hecken und Feldraine entlang von Grundstücksgrenzen oder Wegen verloren. In der Gemarkung Grössau im Kreis Kronach ist es jedoch seit den 1980er Jahren gelungen, nicht nur viele dieser Strukturen zu erhalten, sondern einen umfangreichen Biotopverbund aus Hecken und anderen Lebensräumen auszubauen. Dieser Erfolg ist maßgeblich der Arbeit von Lothar Haake und seiner Familie zu verdanken, die durch eigene Pflanzungen, Kooperationen mit der Gemeinde und Naturschutzverbänden, die Gewinnung weiterer Grundbesitzer sowie intensives Engagement bei der Flurzusammenlegung die Maßnahmen vorangetrieben haben. Dabei wurden etwa 2,5 km bestehende Hecken und Wegsäume erhalten, ausgebaut, verbunden und verbreitert, rund 4,9 km Hecken und Waldränder neu gepflanzt, über 200 Obst und Einzelbäume auf Streuobstwiesen und an Wegen gesetzt, etwa 1,5 km bachbegleitende Strukturen wie Weiden, Erlen und Heckenpflanzen angelegt sowie rund 40 Tümpel und zwei Teiche mit vielfältigem Begleitbewuchs versehen. Zusätzlich wurden zahlreiche Lesesteinhaufen an Hecken und Wegen aufgeschichtet. Die reinen Verbindungselemente an ökologisch wertvollen, landwirtschaftlich nicht genutzten Flächen machen inzwischen etwa 10 % (ca. 15 ha) der Grössauer Feldflur aus, wobei mehr als die Hälfte davon im Eigentum der Familie Haake oder von ihr gepachtet ist. Die andere Hälfte liegt weitgehend in Gemeindebesitz. Werden die von der Familie Haake genutzten Streuobstwiesen, Vertragsnaturschutzflächen und Blühflächen mitgerechnet, steigt der Anteil auf knapp 30 % (ca. 40 ha). Damit übertrifft der Biotopverbund die landes und bundesweiten Zielvorgaben für den langfristigen Erhalt der Artenvielfalt deutlich. Dieses herausragende Einzelengagement über Jahrzehnte soll mit dem 1. Preis gewürdigt werden.

2. Preis (4.500 €): Landkreis Mühldorf am Inn

Projekt: „Verbindende Landschaftselemente: Hecken als ökologische und soziale Brücken“

Seit fast vier Jahrzehnten setzt sich der Landkreis Mühldorf a. Inn für die Neuanlage von Hecken und Säumen ein, um wertvolle Heckenstrukturen zu fördern. Bis Ende 2025 wurden 165 Hecken mit einer Gesamtlänge von knapp 20 Kilometern angelegt. In den letzten Jahren konnten jährlich rund ein Kilometer Hecke gepflanzt werden (entspricht ca. 10 Neupflanzungen pro Jahr). Jede einzelne dieser Hecken trägt zum Aufbau des Biotopverbundes bei.
Der Fachbereich Naturschutz des Landkreises Mühldorf berät die interessierten Eigentümer vor Ort und die Umsetzung erfolgt dann in enger Zusammenarbeit mit der Jagus-Umweltgruppe des AWO-Projektehauses Waldkraiburg. Das vorgestellte Heckenprojekt zeichnet sich durch einen freiwilligen, kooperativen Ansatz und einer langjährigen Erfolgsgeschichte aus und verbindet Naturschutz, soziale Integration und Umweltbildung und erreicht dadurch eine breite Akzeptanz bei Flächeneigentümern und beteiligten Akteuren – ein besonderes Alleinstellungsmerkmal innerhalb der bayerischen Naturschutzarbeit.

2. Preis (4.500 €): Stadt Bamberg

Projekt: „Ökologische Straßenrandpflege“

Das Projekt ist ein Saumprojekt. Die Stadt Bamberg ist geprägt von dem Biotoptyp Magerrasen auf Sand. Bereits im Jahr 1999 begann das Umweltamt der Stadt Bamberg gemeinsam mit dem Garten- und Friedhofsamt sowie dem Staatlichen Bauamt ein Projekt zur Förderung blütenreicher Straßenränder. Die Straßenränder werden nur noch ein bis zwei Mal im Jahr gemäht und das Mähgut wird entfernt. Der Maschinenpark des Bauhofs wurde an diese naturschonende Pflege angepasst (Balkenmäher, etc.). Die Artenzahl konnte so von 320 Arten auf 485 in 2025 erhöht werden. Seitdem lässt die Stadt alljährlich alle vorkommenden Pflanzenarten insbesondere auf 6 km Länge am Berliner Ring und mehreren zuführenden Straßen untersuchen. Seit Beginn des Projekts hat sich die Anzahl der Rote-Liste-Arten in diesen Biotopen verdoppelt. Die Gesamtfläche des Projektes beträgt nunmehr etwa 10 ha. Das Projekt gilt durch Broschüren und gute Öffentlichkeitsarbeit als bundesweites Modellprojekt mit hohem Ansehen.

3. Preis (2.000 €): BUND Naturschutz in Bayern e.V. Kreisgruppe Kelheim

Umweltbildungsprojekt NANU! „Hecken und Feldgehölze – viel mehr als nur Gestrüpp“

Das Umweltbildungsprojekt NANU! ist ein Kooperationsvorhaben der Bund Naturschutz Kreisgruppe Kelheim und des Landschaftspflegeverbands Kelheim VöF, und bietet seit über 20 Jahren außerschulische Bildung für die Bildungseinrichtungen im Landkreis Kelheim an. In diesem Zeitraum konnten mehr als 46.800 Kinder und Jugendliche bleibende Naturerfahrungen machen.
Das Kernangebot mit Lebensraumführungen zu Wiese, Wasser, Wald, Hecke und Boden richtet sich vor allem an Kindergartengruppen und Schulklassen und orientiert sich an den Lehrplänen der Grund und Mittelschulen. Ergänzend werden angepasste Aktionen für Realschulen, Gymnasien, Berufsschulen, Förderschulen sowie heil und sonderpädagogische Einrichtungen durchgeführt. Ein besonderer Fokus liegt auf Hecken und Feldgehölzen, die früher als Einfriedungen dienten, heute aber als lebenswichtige Verbundstrukturen für Artenvielfalt, Boden und Klimafunktionen sowie agrarökologische Prozesse gelten. Seit vielen Jahren werden im Herbst speziell für Zweitklässler Heckenführungen angeboten, die 2025 unter dem Schwerpunktthema „Hecken und Feldgehölze – viel mehr als nur Gestrüpp!“ erweitert wurden, um die Artenvielfalt, die Vernetzungsfunktion und die positiven Effekte für Tiere, Menschen und Landwirtschaft auch höheren Jahrgängen näherzubringen.

3. Preis (2.000 €): Würmranger im Jane Goodall Institut - Deutschland e.V.

Projekt: „Hecke macht Schule“

Die Würmranger engagieren sich seit über 14 Jahren ehrenamtlich für Naturerfahrung und Naturschutz, als Teil des weltweiten Roots&Shoots‑Netzwerks von Dr. Jane Goodall folgen sie der Überzeugung, dass jeder Einzelne einen Unterschied machen kann. Entlang des Würmgrünzuges wurde ein kontinuierliches Bildungsnetzwerk aufgebaut, das Naturschutz, Wissensvermittlung und partizipatives Handeln verknüpft. Durch die Einrichtung konkreter Lernorte – die Renaturierung der Würm in Obermenzing, den „Zukunftswald“ in Allach und den neuen „Bunkergarten“ auf dem Schulgelände der Mittelschule Allach – sowie die Ausbildung von Multiplikatoren und die direkte Einbindung von Schulen in Pflanz‑ und Pflegeaktionen - wird der Wert der Biodiversität tief im Bewusstsein von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verankert. Das Projekt konzentriert sich auf den Würmgrünzug in München‑West und arbeitet mit sechs festen Schulkooperationspartnern, über die jährlich etwa 250 Kinder erreicht werden. Das Bildungsangebot „Hecke macht Schule“ beruht auf fünf tragenden Säulen: der Schaffung und Pflege von Begegnungsorten, die als „grüne Klassenzimmer“ Biodiversität greifbar machen, der Qualifizierung von Lehrkräften und Erziehern- und Erzieherinnen zur eigenständigen Integration des Lebensraums Hecke in Unterricht und Kita‑Arbeit, der Bereitstellung didaktisch aufbereiteter Materialien, die die Lücke zwischen Lehrplan und Praxis schließen, erlebnisorientierten Exkursionen, die alle Sinne ansprechen und die emotionale Bindung zur Natur stärken sowie dem partizipativen Pflanzen, bei dem Kinder aktiv in die Pflanzaktionen einbezogen werden. Durch dieses engmaschige Netz aus Lernorten, Materialien und Akteuren soll die Hecke als wichtige Verbundstruktur in der Landschaft erlebbar, verständlich und schützenswert gemacht werden.

3. Preis (2.000 €): Ortsverschönerungs- und Gartenbauverein Isen e.V.:

Projekt: „Der OVV-Heckenlehrpfad am Rentnerweg in Isen“

Der Heckenlehrpfad des OVV Isen ist ein Umsetzungsprojekt zur Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum entlang des Rentnerwegs, das eine historisch gewachsene, strukturreiche Hecke auf der Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Thann Matzbach–Haag erhält, fachlich begleitet und gezielt weiterentwickelt. Ziel ist es, das wertvolle Bestandsbiotop langfristig zu sichern, seine ökologische Qualität zu erhöhen und die Bedeutung von Hecken als Lebensraum, Vernetzungsstruktur und Bildungsort sichtbar zu machen. Statt künstlicher Neuanlagen wurden zusätzliche heimische Gehölzarten gepflanzt, Kleinstrukturen wie Totholzhaufen, Steinstrukturen und Altholz integriert sowie Brutkästen für Höhlen und Halbhöhlenbrüter angebracht. Eine Benjeshecke ist geplant. Die Pflege erfolgt fachgerecht in Abstimmung mit der Marktgemeinde Isen unter Berücksichtigung von Brut und Aufzuchtzeiten. Entlang des Pfades informieren 54 Informationstafeln über heimische Sträucher und Bäume, ergänzt durch sechs lebensgroße Tafeln zu heimischen Tierarten, sodass Wissen im Vorbeigehen erworben werden kann. Der Pfad wird regelmäßig von Spaziergängern, Familien, Schulklassen und Senioren genutzt und ist als außerschulischer Lernort fest verankert. Die Grundschule Isen nutzt ihn im Unterricht, und die Jugendgruppe „Isies“ ist in Pflege und Bildungsmaßnahmen eingebunden. Besonders hervorzuheben ist die von Jugendlichen errichtete Käferburg aus Totholz, die Insekten, Igel und Kleinsäuger beherbergt. Das Projekt wird durch ehrenamtliches Engagement, Patenschaften, Sach und Arbeitsleistungen ortsansässiger Unternehmen sowie fachlicher Begleitung des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) unterstützt. Die Maßnahmen haben die strukturelle Vielfalt, das Habitatangebot und die Vernetzungsfunktion der Hecke deutlich verbessert, sodass der Heckenlehrpfad heute als Trittstein Biotop und fester Lern und Erlebnisort der Gemeinde fungiert und ein übertragbares Modell für Naturschutz im Siedlungsraum darstellt.

Sonderpreis (500 €): Grund- und Mittelschule Eging am See

Projekt: „Unsere Wiese der Artenvielfalt – Lern- und Entwicklungsraum für biologische Vielfalt in Eging am See“

Die Gemeinde Eging am See verzeichnete durch intensive Nutzung und den Rückgang strukturreicher Lebensräume erhebliche Verluste an Artenvielfalt und sah gleichzeitig einen hohen Bedarf, Kinder und Jugendliche für Biodiversität und nachhaltiges Handeln zu sensibilisieren. Im Schuljahr 2022/23 entwickelten Schülerinnen und Schüler im Rahmen des FREI DAY die Idee einer „Wiese der Artenvielfalt“ und setzten sie gemeinsam mit Schule, Gemeinde und der Umweltstation Haus am Strom um. Auf dem Projektgelände wurden eine artenreiche Blumenwiese, eine Hochstaudenflur, ein naturnah befestigter Amphibientümpel, eine trockene Böschung, eine Schmetterlings und Bienenspirale, eine „Naschhecke“ mit Beeren- und Kräutersträuchern sowie Nistkästen angelegt. Geplant ist, QR Code Informationstafeln anzubringen. Mit dem Projekt „Klimarobuste Hecke der Vielfalt“ wird durch eine klimaresiliente, artenreiche Hecke das bestehende Konzept von Wiese, Tümpel und Naschhecke ergänzt, die Lebensräume vernetzt und die Strukturvielfalt des Areals weiter erhöht. Die Maßnahmen haben bereits Wirkung gezeigt: Die Grund und Mittelschule Eging wurde als „Umweltschule“ ausgezeichnet, ist Modellschule im Netzwerk „BNE macht Schule“ und erhielt 2025 den Zukunftspreis des Schulamtes Passau. Das Projekt hat eine dynamische Beteiligung von Vereinen, Unternehmen und privaten Akteuren ausgelöst und dient als außerschulischer Lernort. Der Lernort soll als Modell für andere Kommunen und Schulen dienen und langfristig zur Förderung der biologischen Vielfalt und Umweltbildung beitragen.

Sonderpreis (500 €): Grundschule Adelschlag

Projekt: „Schule in der Natur – Natur in der Schule“

Die Grundschule Adelschlag liegt am Ortsrand und ist durch ihre offene Lage eng mit der umgebenden Natur verknüpft: Der weitläufige Pausenhof geht zum Sportplatz, der Schulgarten und das „Grüne Klassenzimmer“ mit Bienenvolk und Blühwiese öffnen sich zur Feldflur. Im Rahmen des europäischen Umweltschulprofils wurden in den letzten Jahren mehrere Hecken und Saumprojekte umgesetzt. Dabei lernten die Schülerinnen und Schüler praktische Handwerksfertigkeiten (z. B. das Pflanzen von Sträuchern) und erfuhren den Nutzen der Anlagen als Windschutz, Ballspiel Abgrenzung und Lebensraum für Tiere (Nahrungs , Nist und Rückzugsplätze). 2023 entstand auf Initiative der Schülerschaft die erste Benjeshecke, die gemeinsam mit dem Obst und Gartenbauverein und dem Gemeindebauhof geplant, gebaut und von Offener Ganztages Gruppen bepflanzt wurde. In den Jahren 2022 2025 wurden zwei weitere Hecken an der Nordseite und im Schulgarten angelegt. 2025 folgte eine zweite Benjeshecke am Verkehrsübungsplatz. Für das kommende Frühjahr ist geplant, eine wenig wertvolle Buchsbaumpflanzung entlang der Turnhalle zu entfernen und durch Beerensträucher zu ersetzen, um einen zugänglichen Naschgarten zu schaffen. Die Hecken dienen zudem als Unterrichtsort im Heimat und Sachunterricht und stärken durch die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern das Bewusstsein für naturnahe Strukturen über die Schule hinaus.